Dampfer "Gustav Meinecke"
Erbauer
Erbauer: Gerhard Wicke
Etwas Geschichtliches
Bei der Sitzung des Verwaltungsrates der Gesellschaft im Juni 1898 wurde über eine Bestellung eines Dampfers für den Pangani-Fluss nachgedacht, über dessen Größenverhältnisse noch nicht volle Klarheit geschaffen ist. Erst im Oktober, nach eingehenden Erörterungen über die Wasser- und Tiefenverhältnisse des Flusses, wurde über den Kauf entschieden, und der Bau bei der Holtz-Werft in Auftrag gegeben.
Wenigen Hinweisen für den Nachbau des „Gustav Meinecke“ konnte ich nachgehen, aber das in einer Abhandlung über die Holtz-Werft abgebildete Foto ist das bislang einzige vorhandene Bild das ich finden konnte. Positiv überrascht war ich über die gefundenen Risse. Ferner gibt es Abbildungen der Maschine und vom Kessel. Endlich mal ein richtiger Fortschritt. Über die im Boot verwendete Tunnel-Turbinenschraube ist im Vergleich zum Dampfer selbst verhältnismäßig viel zu finden. Der Reiz für einen Nachbau lag als Erstes in der Art des Antriebes.
Der Nachbau
Die Abmessungen des Modells sind wie folgt:
| Orginal | 1:30 | |
| Länge | 16,65 m | 55,50 cm |
| Breite | 3,00 m | 10,00 cm |
| Tiefgang | 0,50 m | 1,70 cm |
Dieses Mal ging ich einen ganz anderen Weg mit dem Nachbau und begann mit dem Antrieb.
Prinzip der Turbinen-Schraube:
Sobald die Turbinenschrauben in Aktion treten, saugen sie die Luft aus dem Tunnel fort, sodass dieser vollständig durch das nachströmende Wasser gefüllt wird und die Schrauben nunmehr ihre Wirkung voll zur Geltung bringen können. Bei der Konstruktion der Tunnelform ist besonders auf einen möglichst schlanken Verlauf der Linien Rücksicht zu nehmen und auch vor allem darauf zu achten, dass ein guter seitlicher Wasserzufluss zu den Schrauben stattfinden kann.
Die Konstruktion von Holtz unterscheidet sich im Wesentlichen vor allen anderen dadurch, dass dieselbe weniger eine erhöhte Wasserpressung im Leitschaufelapparat durch stark gekrümmte Schaufeln, sondern im Laufrade eine Erhöhung der Geschwindigkeit des Wassers bezweckt und letzteres durch die Leitschaufeln nahezu axial austreten.
Während bei anderen Ausführungen für den Rückwärtsgang ein besonderer Rückstrahlapparat oder eine gewöhnliche Schraube vor der Turbinenschraube angeordnet werden muss, da zu dieser der Wasserzufluss durch die stark gekrümmten Schaufeln des Leitapparates ein sehr schlechter ist, haben sich derartige Hilfsmittel bei der Konstruktion von Holtz nicht erforderlich gezeigt.
Trieb- und Leitapparat sind getrennt in einem nach hinten zu etwas verengten zylindrischen Gehäuse angeordnet, über welchen ein Brunnen mit luft- und wasserdichtem Verschluss eingebaut ist, sodass von Deck aus bei Revisionen oder erforderlichen Reparaturen die Schraube freigelegt und der Leitschaufelapparat vollständig herausgenommen werden kann. Die Flügel der Schraube, sowie die Schaufeln des Leitapparates sind zum leichten Auswechseln eingerichtet, um etwaige Beschädigungen leicht reparieren zu können (aus: Schiffbau 1902).
Der Nachbau:
Nach einiger Überlegung kam ich auf eine (hoffentlich) praktikable Lösung zur Befestigung am Rumpf. Der Mantel selbst soll oben zwei Messingmuttern erhalten. Zu Wartungszwecken oder einer Reparatur könnte die komplette Einheit abgeschraubt und nach unten herausgenommen werden. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Schiffsschraube mit Welle frei zugänglich ist und im Bedarfsfall ohne Probleme gewechselt werden kann (siehe Foto 1).
Foto 2:
Einem Messing-Rohr außen 25,00 mm und innen von 22,00 mm wurde auf eine Tiefe von 15,00 mm ein Messingstab eingelötet um eine stärkere Wandung zu erhalten. Der Zylinder verjüngt sich außen nun auf passende 22,00 mm.
Foto 3:
Auf einem passenden Holzstab wurden Schlitze als Aufnahme der Messingbleche eingeschnitten, die dann zusammengelötet wurden.
Foto 4:
Zeigt den kompletten Zylinder mit den sechs Leitblechen.
Foto 5 - 7:Probe auf den Spanten und dem Rumpfkern
Rumpfbau Da der Rumpf mittschiffs im Maschinenraum und im Heckbereich mit der Wartungsluke für den Turbinenantrieb offen ist, entschied ich mich, wie auch bei der „Ukerewe“, ihn direkt über dem Kern mit verschiedenen Glasgewebe-Matten zu laminieren.
Nachdem der Kern soweit fertig war, wurde er zwei Mal gewachst und mit drei Lagen Glasgewebematten 49, 80 und 49 Gramm laminiert und nach der Entkernung noch ein viertes Mal laminiert. Nach Montage der Befestigung für den Zylinder konnte es losgehen.
Probelauf Antrieb:
Dann kam der spannende Augenblick, der Probelauf der Turbinenschraube in der Badewanne. Die Fotos zeigen, glaube ich, ganz gut die Wirkungsweise.
Zuerst wird durch die Schraube Wasser und Luft angesaugt - anhand der Blasen zu erkennen-, bis sich der Tunnel mit Wasser füllt. Sind keine Luftblasen mehr vorhanden und Tunnel incl. Zylinder komplett mit Wasser gefüllt, geht die Post ab, und voller Schub ist vorhanden.
Jetzt konnte am Rumpf mit Deck, Beplankung usw. weitergemacht werden.
Maschinen-Anlage:
Begonnen wurde mit der Verkleidung des Wasserrohr-Kessel aus 0,4 und 0,6 mm Flugzeugsperrholz. Recht kniffelig gestaltete sich der konisch verlaufende Blechmantel um den Dom zwischen Schornstein und dem Kessel, da er der Form der Kesselverkleidung und dem Durchmesser des Schornsteins angepasst werden musste. Der Schornstein besteht aus einer Zigarrenhülse aus Alu, und die beiden Kesselböden stammen von einem Deo-Roller. Der Blechmantel ist 0,2 mm Messingblech.
Compound-Maschine:
Großen Wert wurde wieder auf einen detailgetreuen Nachbau gelegt, selbst die Öler auf den Lagern durften nicht fehlen. Nur gut, dass nichts funktionieren muss.
Der Maßstab von 1:30 brachte mich schon manchmal an den Rand der Verzweiflung. Auch hier, musste das eine oder andere Teile zweimal gefertigt werden. Neben den Nerven litten auch meine Fingerspitzen.
Die komplette Maschinen-Einheit mit allem Drum und Dran wird mit einer kleinen 2,0 mm Sechskant-Messingschraube im Rumpf befestigt.
Reling mit Sonnendeck:
Die Reling besteht aus 1,5 mm Messingrohr als Pfosten, die Züge aus 1,0 mm Messingdraht. Der vordere Teil kann hochgeklappt werden, damit man die Kajüte abnehmen kann um an die Akkus zu kommen.
Unter dem Steuerstand befindet sich der Ein- und Ausschalter.
Danke an Karsten, der wieder einmal sein Können in der Gestaltung der Seite gezeigt hat.






























